Das Wort zur Kurbelwelle

Hier möchte ich ein paar Takte über die Moto Morini Kurbelwelle verlieren. Im folgenden Bild seht Ihr das Exemplar welches im „Captain Future“ seinen Dienst tun wird. Es handelt sich um die ältere Variante in der sogenannten Glockenform. Etwa 10 Jahre später veränderte sich die Kurbelwelle in die sogenannte Hammerform.

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Die Morini Tremezzo ist mit kontaktloser elektronischer Zündung, 6-Gang Getriebe, Ventil-Riementrieb und Heronbrennräumen als Siebziger-Jahre Motorrad zum einen sehr fortschrittlich konstruiert, andererseits hat der Motor leider auch Schwächen.

So hat man – wie auch bei anderen italienischen Motorrädern dieser Epoche – auf einen Ölfeinfilter verzichtet. Entsprechend zirkulieren Ölverschmutzungen im ganzen Motor und dessen Lagerstellen.

Natürlich wird verschmutztes Öl auch durch die Kurbelwelle gepumpt wobei diese durch die Rotation wie eine Art Zentrifuge agiert.

D.h. Ölverschmutzungen lagern sich über längere Zeit im Inneren der Kurbelwelle ab und verschließen mehr und mehr die Bohrungen. Die Ölversorgung der Kurbelwellen-Gleitlager (KW-Hauptlager und unteres Pleuellager) leidet zusehens und ein Lager-Exodus ist vorprogrammiert.

Es gibt zwei Möglichkeiten das Problem in den Griff zu bekommen.

  1. einen externen Ölfeinfilter etablieren
  2. häufige Ölwechsel und regelmässig die Kurbelwelle säubern

Da Rennmotorräder ohnehin überdurchschnittlicher Wartung unterliegen, möchte ich auf Möglichkeit 1) nicht weiter eingehen und zu Möglichkeit 2) ein paar Sätze schreiben.

Die Kurbelwelle hat eine achsiale und zwei radiale Madenschrauben die man entfernen muß, um eine Reinigung vornehmen zu können. Leider sind die Madenschrauben aus sehr weichem Stahl und der Inbus dreht meist schnell druch.

Mit eingeschlagenen Torx-Bits können die Madenschrauben aber meistens herausgedreht werden.

Wenn die Madenschrauben entfernt sind, kann man mit einem größtmöglichen Spiralbohrer (per Hand) den Ölschlamm herauspopeln. Es ist immer wieder erschreckend wie viel Ölschlamm man da rausholt.

Danach die Bohrungen gut mit Bremsenreiniger oder am Waschtisch spülen. Natürlich sollten vor der Reinigungs-Prozedur die Pleuel abgeschraubt werden.

Bei der mir vorliegenden Kurbelwelle habe ich die Reinigung schon vor längerer Zeit durchgeführt, deshalb kann ich euch keine Bilder davon zeigen.

Wenn Ihr eine restaurierte oder überholte Morini 350 kaufen wollt, solltet Ihr nachfragen ob die Kurbelwelle nachweislich gesäubert wurde. Ihr wisst nun warum das wichtig ist.

Interessant sind auch die gekröpften Pleuel, mit dem Ziel beide Zylinder des V-Motor’s seitlich zu versetzen, um den hinteren Zylinder durch bessere Fahrtwindzufuhr thermisch stabiler zu kriegen.

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